Warum ein normales Foto nicht direkt gefräst werden kann
Eine CNC-Fräse bewegt sich in drei Achsen: X, Y und Z. Ein flaches Foto liefert nur X- und Y-Informationen – die Z-Achse, also die Tiefe, fehlt. Ohne Tiefeninformationen kann die Software nicht wissen, welche Bereiche höher oder tiefer liegen sollen. Deshalb ist der Umweg über eine Depthmap nötig: ein Graustufenbild, bei dem die Helligkeit die Höhe bestimmt. Weiße Bereiche werden später zu den höchsten Punkten, schwarze zu den tiefsten. Die CNC-Software übersetzt diese Helligkeitswerte dann in Z-Achsen-Bewegungen.
Das funktioniert nicht bei jedem Motiv. Ein flaches, frontales Foto einer Holzmaserung oder eines Stoffmusters hat keine Tiefenstaffelung, die eine KI extrahieren könnte. Porträts, Landschaften oder Objektfotos mit Schatten und Perspektive eignen sich deutlich besser, weil sie echte Tiefenhinweise enthalten.
- Geeignet: Porträts, Landschaften, Gegenstände mit Schatten und Perspektive
- Ungeeignet: flache Texturen, Muster, rein frontale Aufnahmen ohne Tiefenwirkung
Depthmap erzeugen: KI-Tools im Vergleich
ReliefMaker bietet zwei KI-Engines zur Erzeugung von Depthmaps aus Fotos. Die kostenlose lokale Variante nutzt Depth Anything V2 und braucht etwa zwei Sekunden pro Bild. Die kostenpflichtige Variante setzt auf Gemini Vision, kostet einen Credit und benötigt rund drei Sekunden. Der Unterschied liegt in der Szenenkomplexität: Gemini Vision kommt mit schwierigen Motiven besser zurecht, während das lokale Modell bei einfachen Motiven schnell brauchbare Ergebnisse liefert.
Wer keine KI nutzen möchte, kann Depthmaps auch manuell in Bildbearbeitungsprogrammen oder 3D-Software wie Blender erstellen. Das ist aufwendiger, gibt aber mehr Kontrolle über die Höhenverteilung. Für den Einstieg ist der KI-Weg meist der schnellere.
- Depth Anything V2 (lokal, kostenlos): ca. 2 Sekunden, einfache Motive
- Gemini Vision (kostenpflichtig, 1 Credit): ca. 3 Sekunden, komplexe Szenen
- Manuell: mehr Kontrolle, aber deutlich zeitaufwendiger
Von der Depthmap zum Toolpath in der CNC-Software
In Carbide Create Pro importierst du die Depthmap über die Funktion 'Import Image'. Anschließend lassen sich 3D-Schrupp- und Schlichtbahnen zuweisen. Der Schruppgang trägt grob Material ab, der Schlichtgang verfeinert die Oberfläche. Wichtig ist, dass die Depthmap als Höheninformation interpretiert wird – nicht als reines Bild.
Je nach Software unterscheidet sich der Import. Manche Programme erwarten ein STL-Mesh, andere arbeiten direkt mit Graustufenbildern. Prüfe vor dem Import, welches Format deine CAM-Software verlangt.
- Carbide Create Pro: 'Import Image' → 3D-Roughing → 3D-Finishing
- Andere Programme: ggf. vorher in STL umwandeln
STL-Konvertierung als Zwischenschritt
Wenn deine CNC-Software keine Depthmaps direkt liest, kannst du das Bild zuerst in ein STL-Mesh umwandeln. ImageToStl.com bietet dafür zwei Modi: Extrude und Heightmap. Im Heightmap-Modus wird die Helligkeit in Höhe übersetzt. Zusätzlich kannst du den Detailgrad, eine Basisplatte und deren Typ einstellen.
Ein anderer Workflow aus der Community: Foto in depth-r hochladen, die Depthmap speichern, in Cura ziehen und als STL exportieren. Diese Methode ist allerdings anekdotisch und nicht durch eine primäre Anleitung bestätigt. Sie kann funktionieren, ist aber nicht der offizielle Weg.
- ImageToStl.com: Extrude- oder Heightmap-Modus, Detailgrad und Basis einstellbar
- Community-Workflow: depth-r → Cura → STL (nicht offiziell validiert)
Worauf es beim Fräsen des Reliefs ankommt
Die Depthmap liefert nur die Höhendaten. Ob das Relief später gut aussieht, hängt von Material, Fräser und Toolpath-Strategie ab. Weiches Holz wie Linde oder Pappel ist für den Einstieg einfacher als hartes Holz oder gar Metall. Ein Kugelfräser eignet sich für organische Formen, ein Flachfräser für flache Bereiche.
Die optimale Relief-Tiefe, Skalierung und Materialwahl werden in den hier genannten Quellen nicht im Detail behandelt. Diese Parameter musst du je nach Projekt selbst erproben oder in spezialisierten CNC-Foren nachfragen.
- Weiches Holz für den Anfang, Kugelfräser für organische Formen
- Relief-Tiefe und Skalierung sind projektabhängig und nicht allgemeingültig dokumentiert
Häufige Fragen
Kann ich jedes Foto in ein CNC-Relief verwandeln?+
Nein. Flache, frontale Fotos von Texturen oder Mustern enthalten keine Tiefeninformationen, die eine KI extrahieren könnte. Motive mit Schatten, Perspektive und räumlicher Staffelung eignen sich deutlich besser.
Welche KI erzeugt die beste Depthmap?+
ReliefMaker bietet zwei Engines: Depth Anything V2 (lokal, kostenlos, ca. 2 Sekunden) und Gemini Vision (kostenpflichtig, 1 Credit, ca. 3 Sekunden). Gemini Vision kommt mit komplexen Szenen besser zurecht, das lokale Modell ist für einfache Motive ausreichend.
Kann ich die Depthmap direkt in Carbide Create Pro importieren?+
Ja, über die Funktion 'Import Image'. Danach lassen sich 3D-Schrupp- und Schlichtbahnen zuweisen. Andere CNC-Programme benötigen möglicherweise ein STL-Mesh als Zwischenschritt.
Wie wandle ich ein Bild in ein STL für CNC um?+
ImageToStl.com bietet dafür einen Heightmap-Modus, der Helligkeit in Höhe übersetzt. Du kannst Detailgrad, Basisplatte und Basistyp einstellen. Ein Community-Workflow nutzt depth-r und Cura, ist aber nicht offiziell bestätigt.